Historische Entwicklung

kupolas-visasIm Jahr 1604 wurde der  Bau dieser von den Jesuiten gegründeten Kirche, die dem hl. Kasimir geweiht ist, begonnen. Der Vize-Provinzial der Jesuiten, Povilas Bokša, sowie ein Architekt der Gesellschaft Jesu, Jan Prockowicz, leiteten die Bauarbeiten. 1635 wurde der Bau beendet und die Kirche geweiht, aber schon 1655 brannte sie beim Einmarsch der russischen Armee in Vilnius ab. Der Neubau wurde 1707 und 1749 weitere zwei Male vom Feuer zerstört. Von 1749-1755 wurde der Wiederaufbau von dem berühmten Architekten und Astronomen Tomas Žebrauskas S.J. geleitet. Seine Arbeit ist noch in der gestuften Kuppel und am Hochaltar zu sehen. Von 1751–53 hat der preußische Bildhauer Hans Kierner den Innenraum dekoriert. Der tschechische Künstler Joseph Obst hat die Fresken mit dem Leben des hl. Kasimir gemalt.
Als die Gesellschaft Jesu 1773 aufgelöst wurde (1814 wurde sie wieder errichtet), kam die Kirche an die Augustiner. 1812 verwandelte die französische Armee die Kirche in ein Getreidelager, wobei sie die Altäre, Statuen sowie Malereien zerstörte. 1815 wurde die Kirche an Missions-  priester übergeben, die das Innere in Ordnung brachten und 11 Altäre hinzufügten.
Ab 1832, als die Missionare verbannt wurden, blieb die Kirche leer und ungenutzt, bis 1839 die Russen sie in eine orthodoxe Kirche mit dem Namen St. Michael umbauten. Unter dem Architekten N. Chiagin wurden von 1864–68 die Türme verkürzt sowie ein größerer Turm an der Westfassade hinzugefügt. Außerdem wurden alle Türme und die Kuppel unter Zwiebeltürmen verborgen. Die Hauptfassade wurde in neo-barockem Stil verziert; in 3 Nischen entstanden Fresken orthodoxer Heiliger.
Die deutsche Armee verwandelte 1915 die Kirche in eine evangelische Garnisonskirche, die auch Kaiser Wilhelm II. besuchte. 1917 kam die Kirche an die Katholiken zurück. Der deutsche Jesuit Friedrich Muckermann organisierte so energisch geistliche und soziale Hilfswerke für die Bevölkerung, daß er deswegen von den Bolschewiken nach Minsk ins Gefängnis deportiert wurde. Der Bischof von Vilnius, der sel. Georg Matulaitis, gab 1919 die Kirche wieder an die Jesuiten. Die Restaurierung von 1925 wurde von dem Architekten Jan Borowski geleitet.
Nach 1940 arbeiteten hier die litauischen Jesuiten. Die Krone auf der Kuppel, ein Symbol der litauischen Unabhängigkeit, wurde 1942 unter dem Architekten Jonas Mulokas wiederhergestellt. 1949 wurde die Kirche erneut geschlossen, diesmal von den Sowjets, die sie als Getreidelager nutzten. Die gesamte Innenausstattung wurde dabei zerstört einschließlich der Orgel und der Glocken. 1963 wurde die Kirche in ein Museum des Atheismus umgewandelt.

1988 wurde das  Kirchengebäude an die katholische Kirche zurückgegeben, erheblich restauriert und endlich 1991 erneut konsekriert. Seitdem arbeiten die Jesuiten wieder dort.

nuo_vargonuBaustil und Kunst

Die St. Kasimir Kirche ist eine der schönsten Barock-kirchen in Vilnius. Einige Elemente aus der Gotik wie der Renaissance sind noch erhalten. Sie wurde nach dem Vorbild der Jesuitenkirche Il Gesł in Rom gebaut, mit dem Unterschied, daß sie 2 Haupttürme hat. Die meisten barocken Kirchen in Litauen, die 2 Türme haben, haben St. Kasimir nachgeahmt.
Die Kirche hat die Form eines lateinischen Kreuzes. Über der Vierung erhebt sich eine majestätische Kuppel von 40 m Höhe und 17 m Durchmesser. Von außen wird diese Kuppel von der Krone der Großherzöge von Litauen gekrönt.  Haupt- und Querschiff sind 25 m breit. Längs des Hauptschiffes befinden sich 6 Kapellen. In der Kirche sind 3 spätbarocke Altäre aufgestellt. 1993-95 schuf Antanas Kmieliauskas folgende Gemälde für den Innenraum: Auferweckung Jesu sowie St. Kasimir über dem Hochaltar, St. Ignatius von Loyola über dem rechten und St. Andreas Bobola über dem linken Altar.

Krypta

1991 wurde unter dem Hochaltar eine große Krypta vom Anfang des 17. Jhd. entdeckt. Sie enthält wunderschöne Basrelief-Malereien in Schwarz und Dunkelblau. Sie stellen den gekreuzigten und auferstandenen Christus, die Jungfrau Maria sowie betende Mönche dar und geben außerdem Beispiele von Kalligraphie. Einige Jesuiten und Wohltäter der Gesellschaft Jesu sind in der Krypta begraben. Die Gebeine anderer Toter, die unter der Eingangshalle gefunden wurden, sind 1995 ebenfalls in die Krypta überführt worden.

Geläut

Die Installation von Vladimir Tarasov “Geläut für St. Kasimir” ist in den beiden Türmen angebracht. Jede Einheit besteht aus 15 Tonstäben, die angeschlagen werden von einer Scheibe an einem Segel, das vom leichtesten Windhauch bewegt wird. Der Wind verändert den Klang.

Bekannte Persönlichkeiten

Zu den Jesuiten, die bei der Kirche gewohnt und in ihr gewirkt haben, gehören einige berühmte Personen.
Hl. Andreas Bobola wurde 1622 hier zum Priester geweiht und war als Prediger und Beichtvater tätig. Später arbeitete er in Weißrußland, wo er 1657 von Kosaken ermordet wurde. 1938 wurde er heiliggesprochen. Eine Erinnerungsplakette hängt in der Eingangshalle.
P. Konstantinas Sirvydas, ein bekannter Schriftsteller und Linguist, predigte hier auf Litauisch fast ein Jahrzehnt lang zu Beginn des 17. Jhd.
P. Albertas Vijūkas-Kojalavičius, Verfasser der ersten Geschichte Litauens, war 1662-65 Superior der hiesigen Jesuiten-Kommunität.
P. Žygimantas Liauksminas, ein berühmter Philosoph und Komponist, verbrachte hier 1665-70 seine letzten Lebensjahre.
P. Tomas Žebrauskas, der das Observatorium der Universität Vilnius plante sowie die mathematische Fakultät leitete und die St. Kasimir Kirche wiederaufbaute, lebte und arbeitete ebenfalls hier.

Musik

Seitdem die Kirche wieder geweiht worden ist, werden jeden Sonntag nach der Mittagsmesse Konzerte von den besten litauischen Künstlern dargeboten. In der Kirche ist eine “Oberlinger” Orgel aus Deutschland und eine digitale “Allen” Orgel aus den USA eingebaut.

kazimiero-paveikslasHl. Kasimir

Hl. Kasimir, der Sohn des polnischen Königs und Großherzogs von Litauen, Kasimir IV, wurde 1458 geboren. Seit seiner Kindheit zog ihn ein Leben der Heiligkeit und Nächstenliebe stark an. Im Alter von 13 Jahren lehnte er die Forderung seines Vaters ab, den ungarischen Thron zu ergreifen, da er das für ungerecht hielt. Er widerstand auch allen politischen Heiraten und widmete sich stattdessen einem Leben des Studiums und des Gebets, wenn gleich er von 1479-1483 als stellvertretender Regent von Polen diente. Er starb am 4. März 1484 während eines Besuchs in Litauen am Hof zu Grodno. Sein Grabmal befindet sich in der Kathedrale von Vilnius. Papst Klemens VIII hat den hl. Kasimir, der der Patron Litauens ist, zur Ehre der Altäre erhoben.

Jesuiten

ad_maioreIgnatius von Loyola gründete 1540 die Gesellschaft Jesu, um das Evangelium zu verbreiten, Exerzitien und geistliche Begleitung zu geben, die Jugend zu erziehen und soziale Probleme zu bekämpfen.
Die Spiritualität der Jesuiten schließt das Bewußtsein ein, daß der Mensch ein Sünder ist, aber zugleich von Gott dazu berufen, Jesus nachzufolgen und aktiv in der Geschichte der Menschheit zu wirken. Daraus entspringt ein optimistisches Vertrauen, daß Gott und seine Schöpfung uneingeschränkt gut sind. Ein Jesuit dient deshalb Gott nicht in der Zurückgezogenheit, sondern durch aktive Teilnahme an der Welt.
In Litauen wurde die Gesellschaft Jesu 1568 eingerichtet. 1579 gründeten die Jesuiten die Universität Vilnius. Die Gesellschaft Jesu wuchs rasch und gründete in den folgenden Jahren weitere Kollegien. Heute gibt es Zentren der Jesuiten in Vilnius, Kaunas und Šiauliai.